Weihnachten in Dakar


Ja, es ist Weihnachten, Advent. Das ist für mich schwierig nachvollziehbar hier in Dakar. Um weihnächtliche Gefühle aufkommen zu lassen fehlen mir einfach die Kälte, die Dunkelheit und der Schnee. Nichts desto trotz komme ich auch hier in Dakar nicht um Weihnachten herum. Weihnachten ist trotz Islam überall gegenwärtig. Die Stadt ist seit einigen Tagen von Lichtergirlanden erleuchtet, in den Strassen hängt der Stern von Bethlehem, Bäume erstrahlen im Lichterglanz. In den Geschäften, den Schaufenstern und Restaurants kitschige, grelle Weihnachtsdekorationen, aus den Lautsprechern plärren Weihnachtslieder. Im Supermarkt ist das normale Sortiment auf ein Minimum reduziert, dafür gibt es Geschenkartikel „en masse“ und in allen Preiskategorien. Auch hier Sonderangebote für Handys, Stereoanlagen, Fernseher und Computer. Kilometerlange Gestelle mit Spielzeug aller Art, vor allem aus China und Japan in grellen Farben und viel Plastik. Bei den Puppen herrscht Barbie vor. Dann eine kleine Überraschung: ein ganzes Sortiment von Bébépuppen, alle schwarz! Das freut mich, denn ich finde, dass in schwarze Kinderhände auch schwarze Puppen gehören, nicht nur, aber doch hauptsächlich. Die Idee „Weiß gleich Reich“ ist hier immer noch zu tief verankert.

Was für ein Wein- und Spirituosen-Angebot! Auch in der Charcuterie gibt es eine Leckerei nach der andren. Fast finde ich die alltäglichen Dinge zwischen all den Luxusartikeln nicht mehr. Da gibt es Gänseleberpastete, Räucherlachs in allen Zubereitungsarten, Kaviar, alles nur vom Feinsten, das meiste aus Frankreich. Schade, auch jetzt finde ich keinen Greyerzer aus der Schweiz. Was hätte ich um ein Stück davon gegeben!

In den Strassen das große Chaos. Alles eilt und rennt auch hier, um noch die letzten Geschenke zu machen. Die Strassen sind mit Autos total verstopft. Zwischen all den hastenden Leuten die fliegenden Händler. Auch sie halten Geschenkartikel feil. Viele bieten kleine Plastik-Weihnachtsbäume an, andere sind mit Weihnachtsschmuck behängt wie der Weihnachtsbaum selber. Rote, blaue und gelbe Kugeln, Girlanden und Flitter. Vor und in den Geschäften überall Weihnachtsmänner. Alle in rotem Gewand mit weißen Säumen, weißem langem Bart in den schwarzen Gesichtern. Ein komischer Kontrast, der mich lustig dünkt. Ich grüsse sie und scherze mit ihnen. Sie bieten Bonbons und Biskuits für die Kinder an.

Einen Monat vor Weihnachten in Dakar die große Gewerbeausstellung. Wie die berner BEA „à l’africaine“. Hunderte von Ständen mit Produkten aus Senegal, Westafrika und auch vielen anderen Afrikanischen Ländern. Da finden sich alle Schätze, die der Orient zu bieten hat: Teppiche, filigrane Möbel, Schachspiele, Wasserpfeifen, und und und. Die Menschen drängen sich durch die vielen großen Hallen, kaufen Geschenke und Nützliches. Mancher, der das Messegelände verlässt, trägt eine warme Decke mit sich nach Hause. Richtig, auch ich habe mir solche kuschelige Decken gekauft, denn die Winterzeit kommt auch hier und die Nächte werden langsam kühl. Außerdem gibt es eine sehr große Vielfalt an einheimischen Produkten. Da kann man Hirse in allen Variationen, Mais, Erdnuss-Produkte, regionaler Reis, Koritébutter-Kosmetik, Batikstoffe, Kochutensilien und vieles mehr kaufen. Man entdeckt hier eine reiche Auswahl an Produkten aus dem Senegal und den anliegenden Ländern.

Selbstverständlich gibt es auch ein großes Sortiment an Krachern und Raketen zu kaufen. Es knallt und pfeift überall in Dakar. Die Kinder freuen sich, wie bei uns in der Schweiz am 1. August. Von meiner Terrasse aus sehe ich über der ganzen Stadt immer wieder vereinzelt Raketen aufsteigen und verglühen.

Nicht zu vergessen der Weihnachtsmarkt des Amerikanischen und Französischen Frauenvereins in Dakar. Dort werden viele wunderschöne Geschenkartikel angeboten. Leider sind die Preise bei solchen Veranstaltungen viel zu hoch, so dass ich mir zwar ein Vergnügen für meine Augen gönne, doch nichts kaufe. Während ich über diesen Markt schlendere, muss ich an die Frauenvereine in der Schweiz denken. Ausser dass mir beim Betrachten der Stände nicht die Füsse und Hände gefrieren, der Himmel blau ist und die Sonne warm scheint, unterscheidet sich diese Veranstaltung in keiner Weise von denen in meiner alten Heimat. Sie dient auch hier einem guten Zweck, ist ein Treffpunkt für die weiße Bevölkerung, vor allem die Frauen, welche denn auch ausgiebig in der Kaffee-ecke bei Kaffee und Kuchen sitzen. Es ist als wäre ich in einer andren Welt und nicht mitten in Dakar.

Nun noch eine kleine Geschichte, die ich an einer meiner ersten Weihnachten hier in Dakar erlebt hatte:

Den heiligen Abend wollte ich zusammen mit meinen Freunden mit einem entsprechenden Festmahl feiern. Ich hatte die verrückte Idee, ein Fondue Bourguinon zu machen, denn das Rechaud gab es mit dazugehörender Pfanne und den Gabeln als Set im Supermarkt zu kaufen. Es gab aber nur die elektrische Version. Nach der Vorspeise mit Toastbrot, Räucherlachs und Gänseleberpastete bereitete ich alles für den Hauptgang vor. Selbstverständlich war auch mein Esstisch festlich geschmückt, mit vielen Kerzen und Girlanden. Ich stellte die Zutaten und das Fleisch rund um die neue Pfanne auf, dann wollten wir beginnen. Wir hoben die Gabeln, um sie mit dem Fleisch in das heiße Fett einzutauchen…… Stromausfall. Wir sassen im Kerzenlicht und sahen einander verdutzt an. Ach das macht nichts, der Strom kommt bestimmt bald zurück…. Wir tranken Wein und warteten. Vor uns all die lecken Sachen, die wir gerade essen wollten. Ab und zu schoben wir uns einige Chips zwischen die Zähne, warteten, öffneten eine neue Flaschen Wein. Dann um ein Uhr gaben wir es auf. Die Freunde fuhren nach Hause. Ich selber hoffte, dass ihre Mägen nicht allzu sehr knurrten, denn ich konnte ihnen nur Vorspeise und Dessert servieren. Niemand regte sich jedoch darüber auf, alle kennen das Problem mit dem Strom hier. Ich legte das Fleisch in den Tiefkühler, dabei dachte ich, dass ich bald einmal eine Einladung an meine Freunde zu einem Fondue Bourguinon machen sollte….

Weihnachten in Afrika, Senegal, Dakar…..

2 Gedanken zu “Weihnachten in Dakar

    1. Ja, da hast Du recht, liebe Myriade. Auch ich würde liebend gerne viel mehr schreiben. Schreiben ist für mich jedesmal ein Moment des Glücks und der Zufriedenheit. Ich schreibe für mein Leben gerne.
      Es ist nun mal so, dass ich meinen Lebensunterhalt mit dem betreiben eines kleinen Hotels BnB verdiene. In der Hochsaison ist es da manchmal recht hektisch. Da finde ich dann abends, wenn ich müde bin, nicht mehr die richtigen Worte. Bin zu sehr ausgepauert. Andererseits ist es für mich wunderbar, wenn ich viele Gäste habe!
      Ich nehme es wie es kommt und freue mich jedes Mal neu auf meine kleinen Glücksmomente beim Schreiben! 😉
      Alles Liebe Dir, bis hoffentlich bald!
      Mme Ruth

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